1982 spielten:
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Blackout Münchner Revuekabarett
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Comedia Mundi Polittheater Kaktusblüte Lieder
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Mobiles Einsatz Theater Straßentheater
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Ratibor Theater Straßentheater
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Susan Reul Pantomime
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Uwe Schreiber Dichterlesung
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Sheer Madness Foolstheater
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Christof Stählin poetischer Kabarettist
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Woody Wallig ComedyPuppetBand
Michael Laages, Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 25.5.1982
Faust auf dem Marktplatz
Das „Mimuse"-Festival in Langenhagen
Der kauzig aufgemachte Komödiant wirbelt über den Markt: „Hast du meine Seele gesehen? Morgen spielen wir nämlich in Berlin, und wie steh' ich dann da ohne Seele!" Hans Wurst, der wie sein Herr und Meister Faust seine Seele verkauft hat, ist eine der Zutaten, mit denen das Mobile Einsatz-Theater aus Essen die „Historia von D. Johann Fausten, dem weitbeschreyten Zauberer und Schwartzkünstler", kurz: den klassischen FaustStoff, dorthin bringt, von wo er dereinst hergekommen ist auf den Marktplatz. Mit dieser Aufbereitung vor begierigen Kinderaugen und trunkenen 96-Fans hinterläßt das Langenhagener „Mimuse"Festival noch den nachhaltigsten Eindruck.
Denn ansonsten gibt's allerhand Hürden, die das Kulturangebot vor den Toren der Metropole nicht so recht vorankommen lassen. In jenem Einkaufszentrum zum Beispiel, das da per Straßentheater und Puppenspiel kulturell aufgemotzt werden soll und nichts mehr und nichts weniger bleibt als vorher ein bitterkalter Konsumbunker. Da wirken die angeheuerten Kreativen, das Berliner RatiborTheater beispielsweise mit Puppenspiel zum Mitfühlen, eben doch deplaziert, ungerührt rollen die Einkaufswagen an ihnen vorbei. Dabei bestünde gerade hier für die Macher die Chance, dem alten Kunst und Kabarett-Elend zu entfliehen, immer nur vor Gleichgesinnten zu spielen. Doch braucht auch die produktive Verwirrung ihr Ambiente und das fehlt halt im Einkaufszentrum.
Schulen sind da anders gebaut. Im Foyer, zwischen ein paar Palmen, an Tischen und Sitzecken, hat die „Mimuse" ihren zweiten Gipfel. Christof Stählins Programm „Schneeluft im Treibhaus", eine Auftragsarbeit für den Berliner Preußen-Rummel des vergangenen Jahres, findet hier die stille Konzentration, die Stählin, der UmdieEckeDenker, dringend benötigt. Beinahe noch ist von einem satirischen Dialog zu sprechen, man hört förmlich die Groschen purzeln.
Damit sind die Kern und Gegensätze des kleinen Festivals auch genannt: die grelle, knallige Parodie, die mehr oder weniger virtuos mit Spielarten des Theaters experimentiert, und die Nachdenklichkeit der Stille. Positivposten der ersten Kategorie sind die Londoner „Sheer Madness"Fools gewesen sie wurden beim „Wintertheater" des vergangenen Jahres ausführlich gewürdigt auch das Münchener Revuekabarett „Blackout", weniger schon die etwas holzschnittig geratene Show der „Comedia Mundi". Die zweite Sparte verzeichnet den Stählin-Erfolg, daneben das konzentrierte Ratibor-Theater, einen Chanson und Lyrikabend, Laien und Puppentheater. Damit hat das Langenhagener Programm manchen Vergleich ganz gut ausgehalten. Nur wird man sich im Falle der Fortsetzung im kommenden Jahr Gedanken darüber machen müssen, wie man dem Straßentheater einen nicht ganz so drögen Auftrittsort schafft. Weil nämlich sonst auch so Vorzügliches wie der Essener „Faust" an rollenden Einkaufswagen scheitern könnte.
Christof Stählin im Daunstärs (links)
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