1989 PDF Drucken E-Mail schreiben

totales bamberger cabaret1989 spielten:

Duo Sonnenschirm Liederkabarett
Duo Vital Kabarett
Les Funambules Comedy
Getürktes Kabarett Kabarett
Hanns Dieter Hüsch Kabarett (Bild rechts unten)
Achim Konejung Kabarett
Reiner Kröhnert Kabarett
O.K.DUO (Ulli Orth & Johannes Klose) Pausenjazz
Pago Kabarett
Kalle Pohl & Band Songs
Salto Vitale Comedy
Georg Schramm Kabarett
David Shiner & Rene Bazinet Comedy
Milan Sladek Pantomimentheater
Studio Hinderik Figurentheater
Totales Bamberger Cabaret Kabarett (Bild rechts)
Triangel Figurentheater
Claus Vincon & Werner Koj Comedytheater


Claudia Brebach, Neue Presse vom 24.4.1989

Mimuse ein voller Erfolg

Leise Töne, bissige Polit-Scherze oder nur purer Quatsch

Halbzeit beim 14tägigen Kleinkunstfestival Mimuse in Langenhagen. Nicht nur das Kulturamt der Stadt kann wegen der ständig nahezu ausverkauften Veranstaltungen zufrieden sein, auch das Publikum ist in diesem gut einwöchigen Kabarett und Clownsmarathon voll auf seine Kosten gekommen. Bissig ging's zu auf den Bühnen von daunstärs und Theatersaal sowie im Schulzentrum, durchgängig und lustvoll satirisch, dabei vor allem rasant phantasiereich.

Hanns Dieter HüschHanns Dieter Hüschs literarisches Kabarett mit zwischenzeiligen Seitenhieben auf Bonner Unmöglichkeiten gehörte dabei zu den vorhersehbaren Publikumserfolgen. Wieviel Gesamtdeutsches in Sachen Mentalität die Grenze zwischen der DDR und der Bundesrepublik hartnäckig überwindet, bewies das DDR-Duo Sonnenschirm. Ihre musikalischen Persiflagen auf Alltagsbeobachtungen wie den "real existierenden Alkoholismus" oder ihr Kommentar zur Ursache steigender Scheidungsraten („bilapidare Beziehungen") sind hüben wie drüben nachvollziehbar. Bequemlichkeit und Selbstzufriedenheit samt Auswirkung sind ebenfalls kein sozialistisches Phänomen: Auch an der bundesdeutschen Wirklichkeit läßt sich ablesen, was die Dresdner auf das Bewußtsein der DDR-Bevölkerung melodisch reimten: „Glück ist, wer vergißt, was alles noch zu ändern ist."

Die leiseren Töne waren beim Figurentheater Triangel des Holländers Henk Boerwinkel zu erleben, der mit seinem Dienersymbol Pierrot aus der Commedia dell'arte den tragikomischen Zauber der Puppentheaterwelt entfachte.
Der Psychologe und Kabarettist Georg Schramm nahm postmoderne Oberflächenkultur ins Gebet: Sein Entwurf für YuppiesFreizeitkultur plädiert für kuschelweiche Geisteshüllen, die so edel kleiden wie das passend sündhaft teure Outfit.

Politischen Biß immer haarscharf vorbeilaviert an unterirdischem Blödsinn verteilte das Bamberger Trio „TBC". Die drei Franken inszenierten eine makabre Jubelfeier des fiktiven Örtchens „Speichelhausen" zum 50jährigen Anschluß an die Autobahn Hannover-Kassel. Schlußpointe: „Die Verbindung zwischen Hitler und Autobahnen weckt heute positive Gefühle." Bundeskanzler Kohl landete als klinischer Fall auf der Bühne. Diagnose: „Temporäres Blackout, Gnade später Geburt und Sitzfleischhämorrhoiden".

Roncalli-Clown David Shiner zeigte zusammen mit René Bazinet ein nicht immer gelungenes „Comic-Motion-Theater". Hier wechselten von der echten Reinfallshow über phantastische Geräuschakrobatik bis zu makabren Eifersuchts-Melodramen Einfallsreichtum und Quatsch einander ab.

Alles in allem: Mimuse ist bislang eine einzigartige Schimpfecke mit satirischen Mitteln, wie die Engländer sie täglich im Londoner HydePark haben. Hier treten Gaukler der Intelligenz und der Geste auf, die allesamt erreichten, wovon die TV-Programmplaner stets träumen: Das Publikum unterhaltend zu fesseln und es zum Lachen zu bringen.

 

Hanns Dieter Hüsch, Achim Kohnejung, Udo Püschel, Kalle Pohl (von links), flankiert von Les Funambules
Hanns Dieter Hüsch, Achim Kohnejung, Udo Püschel, Kalle Pohl (von links), flankiert von Les Funambules

 

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