1994 spielten:
Antrak auf Stumphsinn Kabarett
Les Ballets Jazz de Montreal Tanzgruppe
Les Bubb Comedy
Armin Fischer MusicComedy
La Framboise Frivole MusicComedy
Ingo Insterburg MusicComedy (Bild rechts unten)
Marcus Jeroch Wortjongleur
KGB Clowns
Krauss & Regenauer Kabarett
David Leuckert Kabarett
Manfred Maurenbrecher Songs
Menubeln Kabarett
Murph Comedy
Paolo Nani Comedy
Lars Reichow Kabarett
Daniel Sander Ensemble TravestieParodie
St. Petersburg Clown Corporation Comedy (Bild unten)
Klaus Peter Schreiner Kabarett
Trestle Theatre Company Comedy mit Masken
Oliver Stock, Hannoversche Allgemeine Zeitung vom 31.10.1994
Gelobte Diaspora
Udo Püschel zieht nach drei Wochen „Mimuse" eine Bilanz
Der Mann hat ein Problem. Er lebe in der Diaspora, sagt er von sich selbst. Der Ort seiner Diaspora ist Langenhagen, und der Herr heißt Udo Püschel, seines Zeichens Impressario der „Mimuse". Die „Mimuse" wiederum, jenes nach dem antiken Possenreißer Mimus benannte Comedy-Festival vor den Toren Hannovers, macht dem Herrn hinter seinem unaufgeräumten Schreibtisch im Langenhagener Rathaus seine Diaspora erträglich.
Das Festival, das nach drei Wochen Dauer am Sonnabend mit einem clownesken Finale zu Ende ging, ist Püschels gehätscheltes Kind. „Im Prinzip", so seine Feststellung, „habe ich das alles erfunden." Die Betonung auf dem „ich" ist nicht zu überhören. Ausgedacht hatte sich Püschel 1981damals noch hauptberuflicher Bauingenieur in Langenhagen und nur im Nebenjob Veranstalterein Theaterfest mit Pantomime, Komödianten, Bänkelsängern und Straßenmusikanten. In der gleichen Geschwindigkeit, in der sich das Fest zum Festival der Kleinkunst mauserte, stieg Initiator Püschel vom Ingenieur zum Imagepfleger der Stadt Langenhagen auf. Inzwischen ist die kleine Kunst mächtig groß geworden, die „Mimuse" nennt sich „Internationales Comedy-Festival", ist gut besucht, und Püschel könnte eigentlich rundum zufrieden sein, wäre da nicht die leidige Lage Langenhagens.
„Wenn ein Langenhagener ausgeht, geht er nach Hannover", sagt der Imagepfleger. Aber er hätte seinen Beruf verfehlt, wenn er nichts gegen diesen Trend unternähme. „Wir müssen toller sein als Hannover" heißt sein Rat, und er erinnert an das Einmaleins des Kulturmanagers: „Ein Produkt, das sich zu Hause nicht verkaufen läßt, läßt sich nirgendwo verkaufen."
Also wirbt in Langenhagen nicht nur Yoko Ono mit nackten Hintern sondern auch Püschel mit seiner „Mimuse". „Wir inspirieren Hannover", meint er freimütig unbescheiden und zählt Künstler auf, die in Langenhagen entdeckt wurden, um anschließend in Großstädten Erfolge einzuheimsen. Mathias Riechling kam schon 1981, Gerhard Polt gastierte 1983 im Theatersaal. Als Sensation des Jahres 1994 feierte der Mann, der ständig im Auftrag der Kultur unterwegs ist, das belgische Künstlerduo „La Framboise Frivole". Die ernste Lachnummer soll voraussichtlich bei der nächsten „Mimuse" im Herbst 1995 als „Entdeckung des Vorjahres" wieder eingeladen werden.
Zum Erfolg der „Mimuse"Veranstaltungen trägt nach Püschels Ansicht die Atmosphäre bei Comedy und Kabarett bei. Die Zuschauer haben eben das Gefühl, „aufregend dichte dran zu sein", sagt er. Er liefert damit eine Beschreibung, die erstaunlich gut auf Langenhagens Lage vor Hannover zutrifft - oder auf Hannovers Lage vor Langenhagen, wie es der Imagepfleger ausdrücken würde.

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