1995 spielten:
Stephan Bauer Kabarett
Calamorce & Cutigatu ComedyKabarett
Colombaioni Comedy
Gabi Decker Kabarett
Elliot Comedy
Eric & André Großillusion
Armin Fischer MusicComedy
Robert Fislage Comedyzauberer
Five Live A Capella
La Framboise Frivole MusicComedy
Carlos Herero Comedyzauberer
Laura Herts Comedy
I Pendolari dell'Essere ComedyPantomime
Juno Comedyzauberer Rolf Miller Kabarett Mimikrichy Comedy
Paul Morocco & Olé ComedyJongleure
Nestbeschmutzer Kabarett
011i Comedy
Pepper Comedy
Horst Schroth Kabarett (rechts)
Rob Spence Comedy
Hans Hermann Thielke Comedy
Neville Tranter Figurentheater
Ursus & Nadeschkin Comedy
Yoko & Hama Großillusion
Klaus Dittmann, Langenhagener Echo vom 2.11.1995
Das Lachen von der 15. Mimuse wird noch lange zu hören sein
Die 15. Mimuse ist vorbei und bei insgesamt zwölf Terminen gab es sicher für jeden etwas, der sich für Kleinkunst und große Kunst interessiert. Der Programmschwerpunkt lag mehr auf cirzensischclownesken Darbietungen. Der Bereich politisches Kabarett war diesmal nur unter „ferner liefen" zu finden.
Nach Meinung zahlreicher Premierengäste war die Wandlung Horst Schroths vom Conferencier zum Alleinunterhalter die Überraschung des Abends. Bekannte aus früheren Jahren waren am Sonntag dran, I Pendolari dell'Essere aus dem Land der Pantomime und absurden Theater, aus Italien. Mit ihrem sprachlosen Nonsens und hintersinnigen Humor hielten sie ihr Publikum in der Klapsmühle bei „Dr. Misvago", mal als Insassen, mal als Behandelnde bei Laune. Enttäuschung erst, als es schon nach 90 Minuten hieß: „Schluß. Fini!" Aber herzlicher Beifall war ihnen gewiß.
Interessante neue Gesichter und Programme waren während der Veranstaltungen auch wieder zu erleben. Typen wie Elliot und Pepper aus der Show Clowns & Co, die erste Varieté-Tournee, die in Langenhagenzusammengestellt von Udo Püschel, dem Organisator der Mimuse ihre Gastspielreise in 50 deutschen Städten begann. Die Gruppe Nestbeschmutzer oder Gabi Decker, mit viel Temperament und ansteckendem Vortrag zum Thema Frauen.
Zum festen Mimusebestand gehört neben La Framboise Frivole vor allem Neville Tranters „Stuffed Puppet Theatre" mit jeweils neuem Programm. Ob „Die 7 Todsünden", ob eine MacbethPersiflage oder in diesem Jahr mit „Nightclub", immer geht er gekonnt mit seinen Szenen an die Grenzen des Erträglichen. Er läßt figürlichoptisch, gehässigsprachlich und grausigspielerisch eine makabere Welt aus Wirklichkeit und Wahnsinn entstehen, daß den Zuschauer während des Lachens eine Gänsehaut überkommt. Ein Wunder, daß Neville Tranter am Schluß aus dem bösen Spiel selbst normal herauskommt.
Anläßlich der Norddeutschen Meisterschaften des Magischen Zirkels, die in diesem Jahr in Langenhagen stattfanden, stellten sich bei der Zaubergala „Alles Hokuspokus" sechs Zauberer dem Gala-Publikum aus Politik und Gesellschaft.
Den Schluß mit einem kleinen Sahnehäubchen drauf bildete die Super-Slapstick-Show am Sonntag. Das Finale artete zu einer Furioso an Witz, Artistik und Begeisterung beim Publikum aus. Im ausverkauften Theatersaal lachte und bebte es vor Vergnügen vom ersten Auftritt von Ursus & Nadeschkin, ein männlicher und ein weiblicher Clown, bis zum Abschluß des Abends.
Die beiden Schweizer Clowns hatten durch ihre Mundart schon von Anfang an das Publikum auf ihrer Seite. Und als Nadeschkin in ihrer trockenen ernsten Art behauptete, sie sei eine „lustige Bohne", nahm man ihr das lachend gern ab. Mit ihrem Partner immer im Wortgewirr und im Streit, schaffen sie es aber immer doch noch zur synchronen Ansage des nächsten Künstlers zu kommen. Rob Spence, ein Pantomime besonderer Klasse, läßt einen schwarzen Luftballon zum Mittelpunkt seiner Darbietungen werden und fasziniert das Publikum mit seinen überzeugenden Bewegungen. Mal Eisenkugel und aufwärtsstrebender Ballon, mal zurückprallender Gegenstand, Szenenapplaus war während dieser Nummer keine Seltenheit.
Dann kam die Unnummer mit Hans Hermann Thielke, dem Mann von der Post, der nichts tut, dies aber so gekonnt, daß dem Publikum nur das Lachen bleibt. Mit beigem Pullover, grauer Hose und blauem Hemd korrekt gekleidet, aber verstaubt im Wesen und einfach von Gemüt, begeistert er das Publikum. Sprüche seines Freundes, einfältig hoch drei, können ihn vor Lachen schütteln, und das Publikum schüttelt sich ebenfalls herzhaft. Das Lied „Hoch auf dem gelben Wagen", das er ersatzweise für seinen Kollegen mit dem Publikum einstudieren will, scheitert an der Technik. Ebenso wenig Glück hat er mit seinen Annäherungen an eine Kollegin während eines PostSeminars.
Alte Bekannte tobten dann auf der Bühne, die Gruppe „01é". Paul Morocco, Antonio Forcione und Allessandro Russo ließen den Theatersaal erzittern und trieben ihre musikalischen Darbietungen bis an die akkustische Schmerzgrenze. Aber auch einschmeichelnd sanft konnten die Gitarren klingen, wenn sie wollten. Aber eigentlich wollten sie selten. Die Gitarrenkörper geben nur noch die Form her, Resonanzkörper sind sie schon lange nicht mehr. Sie werden zu Jongliergegenständen oder PingPongSchlägern, wie überhaupt Paul Morocco mit einem Mund voller Zelluloidbällen und dem, was er mit ihnen anstellte, Begeisterungsstürme auslöste. Es entstand eine ganz eigentümliche Atmosphäre aus Musik, Komik, Lachen und Beifall, und irgendwie fühlten sich alle in dieser Mischung sehr wohl. Der Schlußapplaus mit allen Akteuren dauerte eine Viertelstunde, so daß die Künstler noch ins Publikum gehen mußten, um sich mit Handschlag zu verabschieden. Diese Geste ist noch nicht oft im Theatersaal vorgekommen.
Anerkennung natürlich auch all den ungenannten Mitarbeitern zwischen Kasse und Kulisse, die Abend für Abend und oft schon tagsüber die zahlreichen Vorbereitungen abwickelten, die für die reibungslosen Vorstellungen erforderlich waren. Für die 16. Mimuse bedeutet dies eine noch größere Anstrengung, aber man kann heute schon sicher sein nein, keine Vorschußlorbeeren, Theaterleute sind abergläubisch!

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